Ich sah Hangover 2 am Wochenende. War gut, die Story war zwar vom ersten Teil entliehen (aufgewacht ohne Erinnerungen, bruchstückhaftes zurückerinnern, eine Person fehlt, Mike Tyson …), macht aber auch nichts, dafür spielts in Bangkok und nicht in Las Vegas. Und der Zottelkopf sollte öfter ohne Zottelkopf auftreten.

Nervig war meine Nachbarin zur rechten, die irgendwie meinte, die ein oder andere Szene nochmal laut erklären zu müssen. Nachbarin zur linken war in Ordnung ;)

Es ist wahrscheinlich ein gutes Zeichen, wenn die Zeit auf dem neu gekauften Schreibtischstuhl schneller vorbeigeht als auf dem alten, der regelmäßig für Rückenschmerzen sorgte. Was vor allem an der Verstärkung am Steiß und überhaupt dem Vorhandensein einer Lehne liegen könnte, so eine hatte der davor nämlich nicht, nur eine kurze, die ihrem Namen aber keineswegs gerecht wurde. Und jetzt kann ich hier ganz entspannt am Schreibtisch sitzen. Echt gut.


Foto: JohnKochmanski auf flickr, CC BY-NC-SA 2.0

Und so liegt man, so wie jetzt, abends im Bett nachdem man am gleichen Tag seine Abschlussprüfung geschrieben hat. Ziemlich fertig vom Tag, fertig vom vielen schreiben, herauskramen von Wissen aus jedem erdenklichen Hirnlappen, fertig vom langen Prüfungstag. Den Umschlag von der praktischen Prüfung, trotz Neugier, ungeöffnet auf dem Schreibtisch liegen haben, weil man erstmal nichts mehr von der Prüfung hören möchte. Sich nochmal darüber ärgern, wie mies das Papier war, wie sämtlich Geschriebenes verschmierte, wie sich gedruckte Farbe auf andere Seiten durchdrückte, wie unschön es sich anfühlte. Eine Prüfung für Mediengestalter, Leute, die sich mit Print- und/oder Digitalprodukten auskennen, und dann so was. Geschenkt. Aber Aufgabenblock 3, Medienproduktion. Matheaufgaben über Matheaufgaben, Fragen zu Themen, die nie irgendwie genannt wurden, völlig entgeisterte Gesichter und genervte Worte nach 90 Minuten. Insgesamt aber ein gutes Gefühl haben, das Gefühl diesen großen Batzen an zuviel Gelerntem hinter sich gelassen zu haben, zu denken bestanden zu haben, sich auf das Ergebnis aber noch ein paar Wochen gedulden müssen.

Und so liegt man da, ist erschöpft und wusste den ganzen Tag eigentlich nichts mehr mit sich anzufangen. Kein Griff zum Lernordner, kein Aufruf der zahlreichen Lerngruppen bei facebook, dessen Benachrichtungseinstellungen man nach 1000 Mails täglich doch mal ausstellte, keine Fragen von anderen wie man das und das gelernt hat. Nichts. Leere. Ungewissheit. Endlich wieder Zeit für sich haben. Während der Lernphase gemerkt haben, wieviel man doch eigentlich machen könnte, wenn man nicht gerade lernen müsse. Bücher lesen, Podcasts wieder entdecken, Sport treiben, den Jobfindungskram weiterführen, Ämter und so anrufen, Freunde treffen ohne zu denken „nicht zu lange zu machen weil man ja noch lernen möchte am nächsten Tag“, Omi besuchen, einfach rumhängen, nicht vorm Rechner hocken, anderen helfen und dabei vielleicht doch wieder vorm Rechner hocken, Geldverdienpläne schmieden, auch endlich mal art directed blogging einführen, etc.

Wie man da so liegt und diese Zeilen niederschreibt, könnte man auch einfach schlafen und den Tag abschließen. Genau so wie jetzt.

Ich komme ja bekanntlich aus dem Ruhrgebiet, was mancher von euch schon mal irgendwie mitbekommen haben könnte. Wir haben hier unsere eigenen Sprachschätze, angefangen bei „wat“ unter anderem diese:

Um nur einige zu nennen. Jetzt ergab es sich, dass die Nomierungen für den Grimme-Online-Award veröffentlicht wurden und mir darunter auch das neusprech-Blog auffiel, dass ich bis eben dann nicht kannte. In einem Artikel ging es hier um das Augenmaß, dass einerseits gerne zur Praktikanten- und Neu-Lehrlingsverallberung herhalten muss („Hol mal das verlängerte Augenmaß aus dem Keller“) andererseits auch gerne von Politikern missbraucht wird und soviel heißt wie „Passt schon, ich werf da mal einen Blick drauf aber garantieren kann ich nix, du dummer Wähler, lass mich in Ruhe“.

Im Artikel selbst ist auch die Rede vom Quantensprung und hier fängts an: Bei uns im Ruhrgebiet sind Füße nämlich auch als Quanten bekannt – besonders wenn sie stinken oder schmutzig sind. Ein Quantensprung wäre demnach also nicht viel größer als die eigenen Füße des Verfassers, was wahrlich keine Meisterleistung ist, könnte man nur so weit springen, wie die Füße lang sind. Wenn ihr also mal wieder hört, dass ein Quantensprung erfolgt ist, denkt an meine Füße. Oder daran, was die Wikipedia dazu sagt:

Einfach gesagt ist ein Quantensprung eine Zustandsänderung in einem sehr kleinen System, also eine sehr kleine Änderung der Wirklichkeit. Umgekehrt ist jede noch so kleine Zustandsänderung immer ein Quantensprung, es gibt nichts kleineres. – Wikipedia